Sommerliebe

Das Beste am Sommer? Eis essen. Am liebsten drei Mal am Tag. Minimum.

Meine Favoriten:

Dolomiti, alter Freund aus Kindertagen, der tatsächlich noch so schmeckt wie früher und so an lange Sommertage im Freibad erinnert, wo es für 50 Pfennig Eis und für 20 Pfennig eine Scheibe Ketchupbrot, groß wie ein Wagenrad, gab.

Zwei Kugeln Eis von der Lieblingseisdiele. Am liebsten Rakete, Wassermelonensorbet mit Zitrone und Zimt. Ein Eis, in das ich mich reinlegen könnte, ein Eis, für das es sich lohnt, Schlange zu stehen und eigentlich zu viel Geld auf die Theke zu legen. Dazu Karamell mit Salz. Oder Cookies. Oder Artischocke? Nein, das nicht. Auf jeden Fall Rakete.

Selbstgemachtes Eis am Stiel. Hier gesehen, sofort verliebt. Ein Eis, das aussieht wie ein Stück Wassermelone, Wahnsinn. Das muss ich haben. Gesagt, getan, nachgemacht. Leicht abgewandelt, ich habe den Limettensaft aus dem Originalrezept weggelassen und ganz stinknormale Kokosmilch verwendet.

 

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Man nehme (bei dieser  Form für 8 Eis):

  • ungefähr ein Viertel einer mittelgroßen Wassermelone, püriert

  • Kokosmilch

  • 2 Kiwis

Eis-am-Stiel-Formen zu ungefähr 2/3 mit pürierter Melone füllen. (Holz)Stiele rein, Deckel drauf und für mindestens 4 Stunden ins Gefrierfach.

Dann den Deckel entfernen, mittlerweile halten die Eisstiele auch so. Kokosmilch einfüllen und nicht vergessen, noch Platz für die Kiwi zu lassen. Ohne Deckel wieder für 4 Stunden ins Gefrierfach.

Zum Schluss die beiden Kiwi pürieren und die Mulden damit auffüllen. Schon wieder für ein paar Stunden ins Gefrierfach.

Aus der Form lösen, über das hübsche Eis freuen und den Sommer lieben.

 

Funkelmarie

Ich war nie ein Glitzermädchen, nie, nie nie. Keine Ahnung warum, aber ich bin glitzerresistent. Dachte ich. Ich mag es schlicht. In meinem Kleiderschrank findet sich schwarz und dunkelblau, grau und weiss, vielleicht ein paar Streifen oder Punkte, ansonsten ist alles klar und schnörkellos. Vielleicht habe ich das meiner Mutter zu verdanken, die mich und meine Schwestern in den 70ern höchst geschmackvoll einkleidete. Sie hat damals in Stuttgarts feinstem Bekleidungshaus am Platz gearbeitet und nicht selten musste sie am Monatsende Geld bezahlen statt welches zu bekommen, weil sie tütenweise Kinderkleidung nach Hause brachte. Mein Vater hat ihr erklärt, dass das eigentlich nicht der Sinn der Sache wäre, aber er hat ihr den Spass gelassen, ihre Töchter hübsch anzuziehen. Ganz ohne rosafarbenes Kätzchen-Geglitzer. Wo war ich? Ach ja, die Glitzerresistenz.

Von der war ich überzeugt, bis ich vor ein paar Wochen auf dem Heimweg an diesem Second Hand Laden vorbei kam. Ich gucke da immer ins Schaufenster, manchmal liegen da hübsche Sachen, manchmal denke ich „tja nun, nur weil Chanel drin steht, werden diese Treter auch nicht schön“. Ich war schon fast vorbei, da sah ich etwas glitzern und, was soll ich sagen, mein inneres Glamourgörl ist aufgewacht und es hat sofort angefangen zu nörgeln. „Bleib doch mal stehen!“ hat es gewispert, ganz leise, kaum hörbar, immerhin hat es vierzig Jahre geschwiegen. „Nö.“ habe ich erwidert. „Ich kenn‘ dich doch gar nicht, außerdem muss ich schnell zum Bäcker, sonst gibt’s kein Laugenbaguette mehr.“ Glamourgörl sagte nichts, bis zum nächsten Tag. „Heute guckst du dir die Schuhe aber mal genauer an!“ erklärte es und piekte mich in den Magen. „Autsch! Also gut.“ sagte ich und blieb vor dem Schaufenster stehen. Uff. Das waren mal Funkelschuhe. Nicht nur, dass sie gülden glitzerten, nein, es waren auch noch riesige Swarowski-Steine darauf. Und Schleifen. Mehr Gefunkel geht nicht. Überhaupt nichts für mich. Auf keinen Fall, ziehe ich nicht an. Glamourgörl war anderer Meinung. Mit jedem Tag, den ich sein Rufen ignorierte, wurde es böser. Es zeterte und trat und zwickte mich und haute mir seinen spitzen Ellbogen in die Leber, bis ich nicht mehr konnte. „Jetzt hör‘ mal gut zu, Glamourgörl, ich gehe heute in diesen Laden und gucke mir die Treter mal an. Aber bestimmt sind sie zu teuer und passen nicht, ich hab‘ nämlich so Daisy-Duck-Füsse, die gehen nur in Birkenstocks. Außerdem, sie gefallen mir nicht. Ich schau sie mir an, aber dann haust du ab, kapiert? Wir passen einfach nicht zusammen.“ Es nickte und freute sich. Am nächsten Tag ging ich also in diesen Laden und sah mir die Funkelschuhe an. 39 ½, also zu groß, danke tschüss, das war’s dann, auf Nimmerwiedersehen, Görl, wir haben es versucht. Glamourgörl zog eine Schnute, es war ganz traurig. Doch dann bekam es Hilfe von der russischen Verkäuferin. Sie sah mich mit den Schuhen in der Hand und beschloss, dass ich sie kaufen musste. Ich hatte überhaupt keine Chance, wie russischer Tennisspieler schmetterte sie jeden Einwand ab, während Glamourgörl auf und ab hüpfte und ihr zujubelte:

 

Eigentlich sind die mir zu gross, ich hab‘ Größe 38.“ „Quatsch, zu gross. Bei Ballerina ist gräßer immär bessär, wegen Anschwellen von die Fuss! Nähme Sie Einlage, Schuh ist ein Traum!“.

 

Aber ich weiss nicht so recht, ich trage eigentlich gar kein Glitzer.“ „Sie tragen Jeans?“ „Ähm, ja.“ „Dann tragen Sie auch diese Schuh. Ist ein Traum, ächte Hingucker!“

 

„Puh, tja, ich bin mir nicht sicher…“ „Sähn Sie Preis! 70 Euro! Ist Miu Miu, ist geschänkt! Ist ein Traum, missän Sie kaufen!“

 

Ein paar Minuten später stand ich mit einer Tüte auf der Strasse. Darin waren die Funkelschuhe.  Glamourgörl sagte: „Du wirst sehen, das wird ganz toll, die kannst du auf K.s Hochzeit anziehen, da hast du doch noch keine Schuhe für!“. „Ach halt doch einfach die Klappe, blöde Kuh!“, erwiderte ich. „Du hast ja schon gewonnen, ich hab‘ sie gekauft und ich zieh‘ sie an. Aber hoffentlich scheint bei der Hochzeit nicht zu sehr die Sonne, sonst werden alle blind und du bist schuld.“

Viel zu langer Rede, kurzer Sinn: Hallo, mein Name ist Silke und ich bin ein Glitzermädchen. Ich habe Funkelschuhe und ich liebe sie. Und am Tag der Hochzeit war es ziemlich bewölkt, puh.

 

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Sleepless in the 90ies

Für die kompletten Neunziger lautete mein Motto „schlafen kann ich, wenn ich tot bin“.

Schlafen war Zeitverschwendung. Auch nur einen Abend zu Hause bleiben war TOTALE Zeitverschwendung. Keine Zeitverschwendung war es, jeden Abend in einen anderen Club oder auf ein anderes Konzert zu gehen und bis mindestens 3 Uhr morgens unterwegs zu sein. Um 6 Uhr aufstehen? Kein Problem, zwei Stunden Schlaf reichen locker, um mit einem Kater fertig zu werden und so ein bisschen Restalkohol hat auch noch keinem geschadet. Ich hatte noch so manch‘ anders Motto in den 90ern, ich LIEBTE Zitate, Gedichte, Aphorismen und so weiter. Und weil wir damals mangels Internet ganz ohne Pinterest & Co. dastanden, haben wir uns Kalender gebastelt, aus Notizbüchern, die wenn sie fertig waren, doppelt so dick wie vorher und vollgestopft mit Sprüchen und Bildern waren.

 

„It’s better to burn out than to fade away“. (Neil Young; Hey, Hey, My, My (Into the Black))

„There are things known and things unknown and in between are the doors“.  (Ray Manzarek)

„But I don’t want comfort. I want God, I want poetry, I want real danger, I want freedom, I want goodness. I want sin“. (Aldous Huxley; Brave New World)

„To be nobody but yourself in a world which is doing its best, night and day, to make you everybody else means to fight the hardest battle which any human being can fight and never stop fighting“. (E. E. Cummings; A Poet’s Advice)

 

Ich vermisse die Kalender. Ich vermisse die Freiheit, die mir meine „Nach mir die Sintflut“-Haltung gab. Ich vermisse es, Nächte durchzufeiern, ohne mindestens eine Woche ausgeknockt zu sein. Ich möchte nicht nochmal zwanzig sein, aber ach, Nostalgie, ich vermisse die 90er. Zumindest manchmal. Nicht die 90er, die 20-Jährige heute toll finden, mit Spice Girls Look und Plateau-Buffalos, nein, dieser Kram war damals schon albern und geschmacklos.

Ich vermisse MEINE 90er, die so prägend für mich waren. 18 werden, Abitur machen, bei den Eltern ausziehen, 20 werden, jung sein, die Welt besitzen (auch wenn die voll scheiße war, total den Bach runterging und niemand einen verstanden hat).

Ab dem 19.07. gibt Arte mir und allen, denen es ähnlich geht mit dem „summer of the 90ies“ die Chance, eine kleine Zeitreise zurück in „das schlaflose Jahrzehnt“ zu machen. Es gibt Dokumentationen und Filme (unter anderem meinen geliebten Reality Bites am 20.07., ach Winona, meine rehäugige Heldin, ich wäre so gerne wie du gewesen), es geht um Ereignisse, Menschen, Mode und ganz viel um Musik. Grunge. Techno. Britpop. Nu Metal. Und ja, auch Eurodance, Girlpower und Boybands, irgendwas ist ja immer. Trotzdem lohnt es sich mal reinzugucken.